Submitted Post: Eric Clapton - Rassismus
Am 5. August 1976, auf einem Konzert in Birmingham, äußerte Eric Clapton sich auf rassistische Weise gegen die ansteigende Immigration in England. Offensichtlich unter Drogen- oder Alkoholeinfluss unterstütze Clapton den rechtspopulistischen Politiker Enoch Powell mit den Worten: „Ich denke Enoch hat Recht…wir sollten sie alle zurückschicken. Schmeißt die Kanaken raus! Haltet England weiß!“ Diese letzte Aussage war zu der Zeit eine Parole der British National Front. Clapton weiter:
“I used to be into dope, now I’m into racism. It’s much heavier, man. Fucking wogs, man. Fucking Saudis taking over London. Bastard wogs. Britain is becoming overcrowded and Enoch will stop it and send them all back. The black wogs and coons and Arabs and fucking Jamaicans and fucking [indecipherable] don’t belong here, we don’t want them here. This is England, this is a white country, we don’t want any black wogs and coons living here. We need to make clear to them they are not welcome. England is for white people, man. We are a white country. I don’t want fucking wogs living next to me with their standards. This is Great Britain, a white country, what is happening to us, for fuck’s sake? We need to vote for Enoch Powell, he’s a great man, speaking truth. Vote for Enoch, he’s our man, he’s on our side, he’ll look after us. I want all of you here to vote for Enoch, support him, he’s on our side. Enoch for Prime Minister! Throw the wogs out! Keep Britain white!”
Dieser Vorfall, sowie einige offensichtlich pro-faschistische Aussagen von David Bowie etwa zur gleichen Zeit und die Nutzung von Nazisymbolen durch Sid Vicious und Siouxsie Sioux waren der Hauptauslöser für die Rock Against Racism Kampagne.
In einem Interview im Oktober 1976 erklärte Clapton: „Ich dachte eigentlich, es war ganz lustig. Ich weiß nicht viel über Politik. Ich weiß nicht ob es gut oder schlecht ist, wenn er [Powell] gewählt wird. Ich weiß noch nicht mal wer der momentane Premierminister ist. Ich weiß nicht, was in dieser Nacht über mich gekommen ist […] Ich dachte das alles wäre ein bisschen wie Monty Python. Da spielt diese Rockband auf der Bühne und der Sänger fängt an über Politik zu sprechen. Das ist so albern.“
In einem Interview im Jahr 2004 beschrieb Clapton Powell als „unerhört tapfer“ und gab an, „dass sich seine Gefühle dazu nicht geändert hätten“. In seiner Autobiographie 2007 schrieb er, dass er nie von „Rassenkonflikten“ betroffen gewesen sei und sie auch nie verstanden hätte. Es würde ihn nicht interessieren, wo ein Musiker herkomme oder welche Hautfarbe er habe. Trotzdem sei er zehn Jahre später als Rassist bezeichnet wurden (was keinen Sinn machen würde). Seit dem habe er gelernt, seine Meinung für sich zu behalten. Im Dezember 2007 wiederholte Clapton in einem Interview seine Unterstützung für Enoch Powell und bestritt, dass dessen Ansichten rassistisch wären.
Clapton tritt häufiger mit Schwarzen Musikern auf und scheint hier einen Unterschied zu machen, zwischen Schwarzen als Musiker (wodurch er natürlich schon vorhandene Rassismen benutzt) und Schwarzen die er als Bedrohung seiner Weißen Dominanzkultur sieht (und als Einwanderer in diese). Machen Schwarze nur Musik, scheint das in Ordnung, werden sie aber Teil seiner Gesellschaft ist das eine Bedrohung.
Was mich stört ist, dass das scheinbar nie öffentlich diskutiert wurde und kaum jemand davon zu wissen scheint. Kann ich also davon ausgehen, das es der Mehrheit nicht relevant erscheint? Sicherlich. Der Rassismus wird ausgeblendet und der Künstler hier von seiner menschenverachtenden Einstellung getrennt.
Und so wird auch argumentiert: Das sei eine “Entgleisung” im Drogenrausch, man würde ihm unrecht tun dies zu diskutieren, wie soll er rassistisch sein, wenn er mit B.B. King auftritt.
Mir geht es vor allem um Bewustseinsmachung. Wie kann es sein, dass jemand mit solchen Aussagen einfach so durchkommt?
Und das führt für mich letztlich zu der Frage: Darf ich Clapton noch toll finden? Kann ich die Kunst von dem Künstler trennen?
CW: Ich bin nicht Dein Gewissen. Du kannst letztlich toll finden was Du willst. Aber ich höre keine Musik von Rassisten und ich schaue keine Filme von Polanski und ich höre keine Musik von R. Kelly. Nicht weil ich die nicht vielleicht gut finden könnte, sondern weil ich Vergewaltiger und Pädophile nicht unterstütze, ganz einfach.